interview

Umbau mit sozial-diakonischer Dimension:

Interview mit Bauführer Peter Gysin

Der Umbau des Gemeinschaftshauses Moosrain vom Heim in ein Mehrfamilienhaus durch ein festes Bauteam ermöglicht die Integration von Menschen in ein geschütztes Umfeld. Peter Gysin, Bauführer, und Daniel Schaffner, Küchenbauer und Arbeitsagoge, stellten ein Bauteam zusammen, das die anfallenden Arbeiten gemeinsam erledigt. Für die gut zweijährige Umbauphase wurden ein Zimmermann, ein Sanitärinstallateur, ein Isolierspenger und eine Malerin angestellt. Zwei weitere Personen arbeiten teilzeitlich mit. Für einzelne Facharbeiten werden Handwerker der Region beigezogen. In eine erprobte und stabile Truppe werden Menschen integriert, die auf dem offenen Arbeitsmarkt schwer bestehen könnten. Ueber den Mittag wird gekocht und gemeinsam gegessen, und regelmässig gibt es gemeinsame Freizeitsanlässe. Ins Bauteam integriert werden Menschen mit unterschiedlichen Geschichten – zum Persönlichkeitsschutz sind sie nicht auf Portraitfotos. Das Interview von Thomas Widmer-Huber mit Peter Gysin gibt einen Einblick in die sozial-diakonische Dimension.

 

Welche Erfahrungen habt ihr mit jungen Menschen gemacht?

Wir arbeiten mit dem Jugendsozialwerk BL im Bereich „jobs2do zusammen. Dabei haben wir gute Erfahrungen gemacht, junge Menschen eine Zeitlang in unser Team zu integrieren. Eine 20-jährige Frau machte bei uns ein Praktikum. Zuerst war sie unmotiviert, wirkte „abgelöscht, aber dann hat sie sich aufgefangen. Sie hat motiviert mitgearbeitet und ihr Praktikum erfolgreich abgeschlossen. Jetzt macht sie eine Lehre und hat uns schon mehr als einmal besucht.

Wie geht es mit Personen mit einer IV-Rente?

Das war sehr unterschiedlich bisher. Bei einer Person mit einer Teil-IV haben wir miterlebt, dass es ein langer Weg war, bis es zu einer Konstanz kam. Es brauchte Geduld. Wer aus gesundheitlichen Gründen körperlich schwächer ist, erbringt jedoch eine grosse Leistung, wenn er pro Tag fünf bis sechs Stunden arbeitet. Betreffend Entlöhung sind wir jeweils im Gespräch mit den zuständigen Behörden und Sozialarbeitern.

Sehr wertvoll ist eine Frau, die gegen ein kleines Entgelt zweimal pro Woche für uns kocht. Das Kochen ist Teil ihrer Tagesstruktur. Und für unser Bauteam ist sie ein echter Gewinn!

Wie erlebst Du es mit Menschen mit IV, die eine Tagesstruktur suchen?

Bei Menschen mit einer vollen IV-Rente aus psychischen Gründen haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Begleitung relativ aufwändig ist. Die Betreuung nahm viel Raum ein, neben den anderen Aufgaben war dies jedoch kaum mehr möglich. Diesen Bereich mussten wir reduzieren.

Welches sind eure Erfahrungen im Blick auf Integration und Förderung?

Eine Person mit Fachausbildung im Baugewerbe kam via Tagesklinik der Sonnenhalde zu uns. Sie hatte in mehreren Betrieben mitgearbeitet, dann aufgrund veränderter Arbeitssituationen begonnen, an ihren Fähigkeiten zu zweifeln. Im Moosrain-Bauteam startete sie mit einem reduzierten Pensum und gewann wieder an Selbstvertrauen. In der Zwischenzeit konnte sie ihr Arbeitspensum schrittweise steigern. Manchmal arbeitet sie fast mehr als 100% und erledigt jetzt selbstständig anspruchsvolle Arbeiten. Sie wurde zu einer zentralen Stütze des Teams und hat beruflich wieder neue Perspektiven.

Vielen Dank, Peter Gysin, für das Interview   (Thomas Widmer-Huber).

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